Buchempfehlung: Kafka am Strand

Mein Freund ist im Vergleich zu mir ein ziemlicher Streber. Vielleicht nicht ganz Streber, aber zumindest konsumiert er zum Großteil nur sehr anspruchsvolle Literatur 😉 Ich greife meist eher zu leichterer Kost, wie Fifty Shades of Grey, Twilight, die Stieg Larsson-Trilogie und und und.
Vor einiger Zeit (vermutlich ist es schon ein Jahr her) fing ich an, Die menschliche Komödie zu lesen. Bei einem sehr anstrengenden und mental stressigen Vollzeit-Job war mir das doch etwas zu mühevoll und ich konnte irgendwann nicht mehr richtig folgen.
In unserem Sommerurlaub letztes Jahr hat mir mein Freund das erste Mal ein Buch von Haruki Murakami empfohlen: Gefährliche Geliebte. Ich war ziemlich begeistert und habe mich nun dem nächsten von ihm gewidmet, das ich euch gern vorstellen möchte: Kafka am Strand. Die knapp 650 Seiten habe ich ziemlich schnell verschlungen. Ein sehr verwirrender, aber somit spannender Roman, der die griechische Tragödie in die japanische Literatur einfließen lässt.

Die Hauptfigur Kafka

Kafka Tamura, 15 Jahre alt, will der stärkste Junge der Welt werden. Bereits im Alter von vier Jahren von seiner Mutter und Schwester verlassen, fühlt er sich auch von seinem Vater unbeachtet und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Die Liebe zur Musik und Literatur führen ihn nach Takamatsu, wo das Schicksal seinen Lauf nimmt. Obwohl er versucht, vor dem Fluch seines Vaters zu fliehen, erfüllt sich genau dieser. Wie in der Ödipus-Saga sagt ihm sein Vater voraus, dass er ihn töten und sich mit seiner Mutter vereinigen wird. Was das bedeutet, versteht er erst später.
Auf seinem Weg trifft er ein Mädchen, von dem er denkt, sie sei möglicherweise seine Schwester. Kurz darauf trifft er auf Saeki-San, die Besitzerin der Komura-Gedächtnisbibliothek, in der er Unterschlupf findet, und verliebt sich in ihr 15-jähriges Ich. Gleichzeitig denkt er, dass sie seine verlorene Mutter sei und geht dennoch eine kurze Liebesbeziehung mit ihr ein.
Die gesamte Geschichte wechselt zwischen Zeiten und Welten hin und her. Die wirklichen Zusammenhänge sind dadurch recht schwer zu erkennen. Ich denke aber, genau das wollte Murakami damit erreichen. Das Buch enthält sehr viel Mythos und Phantasie, was einen großen Raum für Interpretationen lässt. Dennoch ist sein Schreibstil so realistisch, dass man die Geschichte glaubt.

Der zweite Hauptcharakter

Parallel zu Kafka taucht ein zweiter Charakter auf: der alte und verwirrte Nakata, der zugleich weise und dumm ist. Durch einen Unfall zu Kriegszeiten, bei dem er tagelang bewusstlos war, ist er nun Analphabet und hat keine Erinnerungen mehr an frühere Zeiten. Für ihn ist es schwer, die Welt in Einzelheiten zu erfassen, begreift viele Dinge nicht und lebt lieber im Großen Ganzen. Auch dieses Geschehnis ist sehr mysteriös, da bis zum Ende nicht aufgelöst wird, ob es sich möglicherweise um einen Giftgas-Anschlag des Militärs handelte oder um einen Eingriff von Außerirdischen - so am Anfang des Buches angedeutet. Lange Zeit hofft man, dass dieses Rätsel zum Ende hin gelöst wird. Das ist jedoch nicht der Fall. Einerseits ist das sehr schade, andererseits denkt man noch lange Zeit nach Beendigung des Buches daran, was wie zusammenhängen könnte.
Am Ende treffen beide Teile irgendwie zusammen. Nakata trifft auf sein Gegenstück - Saeki-San - (er Analphabet und sie ist die ganze Zeit am Schreiben) von der ich oben bereits gesprochen habe. Durch das Zusammentreffen der beiden lösen sich alle Probleme und jeder der Protagonisten findet auf einmal wieder zu seinem ursprünglichen Ich zurück, und ist sozusagen erlöst.
Die Hauptfiguren im Buch wechseln bei jedem Kapitel. Es beginnt mit Kafka und das nächste Kapitel handelt von Nakata. Das hält natürlich die Spannung aufrecht und verzögert das Voranschreiten der Geschichte. Denn eigentlich spielt sich das Ganze nur innerhalb von ein bis zwei Wochen ab - gefühlt sind es jedoch Monate.

 

Ich möchte nicht zu viele Einzelheiten verraten, denn es geschehen noch so einige mysteriöse Dinge in dem Buch. Deshalb kann ich euch nur empfehlen, das Buch einfach selbst zu lesen. Teilt euer Feedback dazu gern mit. Ich bin sehr gespannt, wie ihr die Geschichte interpretiert.
Wenn ihr Fragen habt, beantworte ich diese aber auch gern.
=)

(Vielleicht schaffe ich es auch irgendwann, Die menschliche Komödie zu vollenden und dann werde ich euch ausführlich davon berichten ;))

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